Ich erinnerte mich, wie Wasser wirklich plätschert
Als ich mit 30 Jahren beim Ohrenarzt war, weil mir auffiel, dass ich hohe Töne (Wecker, Telefon) nicht mehr gut höre, wurde mir „das Hörvermögen einer 80-jährigen“ testiert. Mir wurde geraten, schon mal das Ablesen von den Lippen zu lernen, und mich nach Geräten umzusehen, die ein Lichtsignal aussenden, da es keine Therapie für meine Innenohrschwerhörigkeit gäbe.
So habe ich mich fast 30 Jahre lang durch mein Lehrerleben mehr geraten als gehört, da mein Hörvermögen immer schlechter wurde. Zu Hause habe ich oft die Klingel oder das Telefon überhört, Fernsehen war kaum möglich, das ich die Dialoge wegen der Hintergrundgeräusche (z.B. Musik) nicht mehr verstehen konnte. Im Lokal unterhielt ich mich nur noch mit den Leuten, die neben mir saßen, Personen, die weiter weg waren, verstand ich nicht.
In der Klasse habe ich die Kinder zu lautem Sprechen angehalten, bei Elternabenden und in Konferenzen wollte ich mir mein geringes Hörvermögen aber nicht anmerken lassen, las von den Lippen ab oder kombinierte aus dem Zusammenhang.
Eine Beilage in der Zeitung machte mich dann auf das terzo-Hörzentrum aufmerksam. Ich besuchte einen Vortrag und entschied mich gleich danach, einen Termin auszumachen. Der Sendlinger-Tor-Platz ist zu meiner Schule sehr verkehrsgünstig gelegen und so besuchte ich regelmäßig das Hörtraining, übte gewissenhaft zu Hause. Die Betreuung war sehr einfühlsam und die vorgetragen neurologischen Erkenntnisse leuchteten mir ein.
Schon der erste Tag mit dem Hörgerät war ein Aha-Erlebnis: Ich erinnerte mich, wie Wasser wirklich plätschert, wenn man auch die Obertöne hört, Gespräche in der U-Bahn konnte ich ohne Probleme verstehen, Musik hörte ich wieder gern.
Inzwischen war ich Konrektorin und sehr erleichtert, jeden Beitrag in der Konferenz zu verstehen. In Versammlungen konnte ich auch Fragen aus der vorletzten Reihe wieder hören. Das Klappern der Stifte in den Federmäppchen und das Zirpen der Grillen bei einem Spaziergang gehörten jetzt wieder zu den normalen Hörerlebnissen.
Seit Ende des Trainings kann ich nun über 90% hören, statt etwa 30% ohne Geräte zu Beginn. Jeden Morgen setze ich nun meine Brille auf die Nase und klemme die Hörgeräte hinters Ohr, trage beides den ganzen Tag und stelle fest, das mein Arbeitstag wesentlich weniger anstrengend ist.