So funktioniert unser Gehör

Unsere Ohren leiten ein Leben lang Schallwellen ins Innenohr, die dort Hörimpulse für unser Gehirn erzeugen. Für den Hörvorgang werden rund 100 Millionen Nervenzellen aktiviert. Etwa 10 Prozent unseres Gehirns werten permanent die daraus entstehenden Informationen aus.
Ohren und Gehirn arbeiten 24 Stunden am Tag. Die Ohren gelten damit als zuverlässigste Verbindung zur Umwelt. Sogar im Schlaf ist unser Gehör noch aktiv. Früher war das für das reine Überleben wichtig. Geräusche warnten vor nahenden Gefahren. Und bis heute weckt der kleinste Laut eines Neugeborenen die Mutter.
Das menschliche Gehör besteht aus zwei Teilen: dem Ohr, das den Schall aufnimmt, und dem Gehirn, das ihn verarbeitet. Wenn es Ihnen zunehmend schwerer fällt, andere Menschen zu verstehen, haben in der Regel beide Anteile Schaden genommen.

Das Hörorgan: Ohrmuschel, Mittelohr und Innenohr

Töne, Laute und Geräusche – genauer gesagt Schallwellen – erreichen unser Ohr über die Ohrmuschel. Die besondere Form der Ohrmuschel bündelt die Schallwellen und leitet sie in den rund 2,5 Zentimeter langen Gehörgang bis zum Trommelfell. Die Schallwellen bringen das Trommelfell, den dort angewachsenen Hammer und die beiden mit ihm in Verbindungen stehenden Gehörknöchelchen Amboss und Steigbügel zum Schwingen. Der Steigbügel grenzt ans Innenohr, das eigentliche Hörorgan. Durch die Schallwellen gerät die Flüssigkeit der Schnecke (Cochlea) in wellenartige Bewegung. Diese Impulse erreichen die Haarsinneszellen. Sie übersetzen die Bewegungsenergie des Schalles in elektrische Nervenimpulse.

Das Gehirn: Leitung, Filter und Verarbeitung

Die Nervenimpulse werden vom Hörnerv schnell und präzise an das Gehirn weitergeleitet, das die Informationen verarbeitet. Das Hörzentrum oder die Hörrinde befindet sich in beiden Schläfenlappen des Großhirns. Sie dient der Verarbeitung, Analyse und Bewusstmachung von Hörsignalen. Auf dem Weg dahin kreuzen sich Nervenfasern von rechtem und linkem Hörnerv und werden miteinander verschaltet. Die akustischen Informationen von linkem und rechtem Ohr werden so miteinander abgeglichen und ermöglichen das Hören aus verschiedenen Richtungen. Erst die Verarbeitung des Gehörten durch Nervenzellen des Gehirns gibt dem Schall also letztlich „Sinn und Verstand“.

Der Hörfilter

Damit uns die vielen Geräusche der Umgebung nicht überfordern, erreicht nur ein Drittel aller Hörsignale unser Bewusstsein. Verantwortlich dafür: ein ausgeklügelter Mechanismus im Gehirn, durch den unser Gehör Wichtiges von Unwichtigem unterscheidet. Diese natürlichen Hörfilter vernachlässigen das ständige Ticken der Uhr ebenso wie den eigenen Atem oder das Rascheln von Kleidung. Nebengeräusche treten so in den Hintergrund, damit Sie sich aufs Wesentliche konzentrieren können. Lässt das Hörvermögen nach, erreichen immer weniger Hörsignale das Gehirn. Je länger dies andauert, desto mehr schwindet die Fähigkeit des Gehirns, relevante von irrelevanten Geräuschen zu trennen.